Die nackte Wahrheit: Entlackung, Alu-Gefahren und der erste Schock

Die nackte Wahrheit: Entlackung, Alu-Gefahren und der erste Schock

Nachdem die Entscheidung für das Projekt gefallen war, stand der erste große technologische Meilenstein an: Die Karosserie musste vollständig von altem Lack, Spachtelmasse und Unterbodenschutz befreit werden. Nur so lässt sich die Substanz eines über 50 Jahre alten Italieners realistisch beurteilen.

Die Entlackung: Der Mix aus Kunststoff, Trockeneis und Tauchbad

Ich habe mir im Vorfeld viele Gedanken über das beste Verfahren gemacht. Eine komplette Tauchbadentlackung mit anschließender KTL-Beschichtung (Kathodische Tauchlackierung) stand als Variante im Raum. Nach vielen Fachgesprächen entschied ich mich jedoch für einen differenzierteren Weg: Das Meiste der Karosserie sollte von außen schonend mit Kunststoffgranulat gestrahlt werden. Innenraum, Unterboden, Motor- und Kofferraum hingegen sollten mittels Trockeneis gereinigt werden.

Diese Kombination bot für mich entscheidende logistische Vorteile: Ich konnte das Fahrwerk vorerst im Fahrzeug belassen. Es wurde beim Trockeneisstrahlen direkt mitgereinigt, und die Karosserie blieb für den anstehenden Transport rollfähig und deutlich einfacher zu handhaben.

Für diese anspruchsvolle Arbeit wählte ich die Firma CarBlast, die das Fahrzeug auch direkt abholte und nach den Arbeiten wieder anlieferte. Einige Dinofreunde hatten ihre Karosserien ebenfalls dort bearbeiten lassen und waren mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Meine Wahl basierte also auf verlässlichen Empfehlungen aus der Community.

Vorsicht bei Aluminium: Die Behandlung der Anbauteile

Die Hauben und Türen wurden für das Strahlen demontiert. Da sie filigraner sind, gingen sie einen separaten Weg: Sie wurden tauchbadentlackt und anschließend KTL-beschichtet.

Hierbei war jedoch äußerste Vorsicht geboten: Der Kofferraumdeckel des Fiat Dino Spider besteht aus Aluminium. Er benötigt ein spezielles, chemisches Bad, da sich Aluminium in einem normalen Entlackungsbad für Stahl schlichtweg auflösen würde. Ein kritischer Punkt, den man bei der Vergabe solcher Arbeiten unbedingt im Auge behalten muss.

Die Rückkehr und der erste Schock

Die Arbeiten verliefen erfreulich zügig. Bereits nach wenigen Wochen wurde der Wagen wieder angeliefert. Das Ergebnis der Karosserie war auf den ersten Blick hervorragend: Das Blech kam vollkommen blank und sauber zurück – die perfekte, ehrliche Basis für den anstehenden Wiederaufbau. Auch die Türen und Hauben zeigten sich nach der KTL-Beschichtung in einem ausgezeichneten Zustand ohne Rostschäden.

Bei der Karosserie selbst sah die Realität allerdings etwas anders aus. Ich muss zugeben: Der erste Anblick des blanken Blechs hat mich ziemlich geschockt. Zwar kamen keine irreparablen Katastrophen zum Vorschein, aber die Spuren der Jahrzehnte waren unübersehbar.

Besonders der untere Karosseriebereich hatte gelitten: Rostschäden an den Schwellerenden und den A-Säulenfüßen. Am Heckblech kam zudem ein historischer Reparaturversuch in Form eines einfach aufgenieteten und verspachtelten Blechs zum Vorschein.

Andere Bereiche wie zum Beispiel der Wasserkasten vor der Windschutzscheibe, die B-Säulen oder die Radläufe sahen dagegen hervorragend aus. Ebenso der Kofferraumboden und die Ersatzradwanne – allerdings zeigte sich hier ein Treffer, den der Dino links hinten mal erleiden musste. Auch der Unterboden und die Längsträger sahen sehr gut aus. Die nachfolgenden Bilder zeigen, warum es eine emotionale Achterbahnfahrt für mich war.

Experten-Einschätzung bringt Ruhe

 

In solchen Momenten braucht man einen kühlen Kopf und die Einschätzung von Experten. Ich besprach den Befund intensiv mit meinem Freund Martin Landmann, der mit seiner Firma ML Car Concept bereits zahlreiche Fiat Dinos instandgesetzt hat und auch mein Projekt blechtechnisch begleiten sollte.

Seine Expertise beruhigte mich schnell: Er hatte in seiner Laufbahn schon weitaus schlimmere Dinos auf der Richtbank. Die anstehenden Karosseriearbeiten waren zwar umfangreich, aber absolut machbar. Auch in seinen Augen bot die jetzt völlig transparente Blechsubstanz den unschätzbaren Vorteil, dass man sofort sieht, wo geschnitten werden muss und wo gesundes Material vorhanden ist.

Der nächste Schritt: Abschied auf Raten

Mit diesem klaren Fahrplan vor Augen ging es an die finale Demontage. Ich baute das verbliebene Fahrwerk aus und konstruierte ein spezielles, stabiles Rollgestell für die nackte Dino-Karosserie. So verladen in einem geschlossenen Anhänger trat der Spider den Weg in die Werkstatt von ML Car Concept an.

Während die Karosserie nun in den besten Händen für die anstehenden Blecharbeiten ist, teilt sich mein Projekt ab hier in zwei Wege: Während Martin das Blech wieder in den Werkszustand versetzt, kümmere ich mich in meiner Werkstatt um die Aufbereitung der ausgebauten mechanischen Komponenten und die langwierige Beschaffung der fehlenden Ersatzteile.

Wie die Blecharbeiten im Detail anliefen und auf welche Herausforderungen wir dabei gestoßen sind, erfahren Sie im nächsten Beitrag.

Zurück zum Blog

Hinterlasse einen Kommentar